Ergebnisse der KoMS-Studie veröffentlicht

Die Studienergebnisse zeigen: ein großer Teil der Befragten war nicht zufrieden mit der Art und Weise wie die Diagnose vermittelt wurde.

Wie wichtig eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation für die Lebensqualität und den Therapieerfolg bei Patienten ist, haben Studien längst nachgewiesen. Insbesondere beim Überbringen einer schlechten Nachricht, wie etwa der Diagnose Multiple Sklerose (MS), sollten die Rahmenbedingungen stimmen, um Traumata vorzubeugen. Umso tragischer und verwunderlicher sind nun die Ergebnisse einer Studie, die nachweist, dass im Fall der Diagnose MS bestehende Qualitätsstandards seitens der Neurologie in vielen Fällen nicht umgesetzt werden.

Die Diagnose MS, eine bisher unheilbare chronische Erkrankung des Zentralen Nervensystems, hat gravierende Folgen für das Leben der Betroffenen. Konflikte mit Familie, Partner oder am Arbeitsplatz sind vorprogrammiert. Nicht selten rutschen Betroffene in Armut oder Depression ab. Das traurige Bild der Krankheit MS in der Öffentlichkeit tut sein Übriges dazu.

Die Studie „Kommunikation bei Multipler Sklerose“(KoMS) des Fachbereich Public Health an der Universität Bremen hat knapp 200 MS-Patienten aus dem ganzen Bundesgebiet dazu befragt, wie sie das Gespräch mit ihrem Arzt bei der Diagnoseübermittlung und der Therapieplanung wahrgenommen haben. Das Ergebnis: bei der Diagnoseübermittlung wurde nicht immer Privatsphäre gewahrt, so gaben mehr als 30% der Befragten an, dass ihnen die Diagnose im Mehrbettzimmer, also im Beisein von Bettnachbarn übermittelt wurde. Einige Patienten haben nur durch Mithören eines Gesprächs über sie von der Diagnose MS erfahren. Darüber hinaus fand das Gespräch häufig in einem sehr kurzen Zeitrahmen statt, 19% der Befragten gaben an, dass das Gespräch nur bis zu zehn Minuten dauerte, bei 42% war die Diagnose gar in fünf Minuten oder weniger übermittelt. Auch die empathischen Fähigkeiten des Arztes wurden häufig als mittelmäßig oder als kaum vorhanden befunden, so dass 45% der Befragten die Diagnoseübermittlung mit den Schulnoten als „mangelhaft“ der „ungenügend“ bewerteten. Informationen über die Erkrankung wurden bei der Mehrheit der Befragten überhaupt nicht oder kaum ausreichend gegeben. Ähnlich verhält es sich beim Thema „Therapieplanung“, die, obwohl   dazu   keine   Notwendigkeit   besteht,   bei   einem   Drittel   der Befragten noch am Tag der Diagnoseübermittlung erfolgt ist. Die  Befragten  hätten  sich  auch  hier  mehr  Informationen  gewünscht, wurden also nicht umfassend aufgeklärt.

Die KoMS-Studie macht deutlich, dass Neurologen dringend im Bereich Empathie und Kommunikationsfähigkeiten hinzulernen müssen. Damit würden sie nicht nur die Qualität der Diagnoseübermittlung und Therapieplanung bei MS verbessern, sie würden auch helfen, den Ruf der Neurologie zu verbessern und das Leben mit MS für die Patienten nicht noch schwerer zu machen. Eine Verbesserung der Aus-und Weiterbildung von Neurologen ist dafür ebenso dringend erforderlich wie die Verankerung von Qualitätsstandards der Arzt-Patienten-Kommunikation in der klinischen Leitlinie.

Hier die ganze Studie zum Nachlesen: Masterarbeit KoMS_oE